Auf Erkundungstour durch die Design Districts
Wie im ersten Teil unseres Berichts bereits angekündigt, haben wir uns dieses Jahr erstmals die Zeit genommen, im Rahmen unseres alljährlichen Mailand-Besuchs auch über den Salone del Mobile hinaus zu blicken und die von der Milan Design Week geprägte Innenstadt zu erkunden. Das sollte sich als eine gute Entscheidung herausstellen, denn die Design Districts bieten den perfekten Rahmen, um inspirierenden Konzepten die große Bühne zu bieten, auf der sie ihre Wirkung voll entfalten können. Doch natürlich heißt es nicht grundlos Milan Design Week: Ein Tag reicht nicht annähernd aus, um alles zu entdecken. Deshalb haben wir uns auf zwei Distrikte konzentriert: Den Brera Design District mit seiner hohen Dichte an Premium-Marken und Tortona, wo wir unbedingt next125 besuchen wollten.
Brera Design District
Wer bei der Milan Design Week zuallererst an Luxus und Palazzi denkt, findet genau das im Brera Design District in höchstmöglicher Konzentration. Wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus: Eine spektakuläre Markeninstallation folgt auf die andere und wir saugen die Inspiration auf wie Schwämme. Die Kombination aus luxuriösen Exponaten und altehrwürdigem Setting zieht Unzählige in ihren Bann, sodass es oft nötig ist, sich in eine lange Schlange einzureihen, um erleben zu können, was die Marken hier zur Schau stellen. Wir fokussieren uns natürlich auch hier in erster Linie auf Küchen: Valcucine setzt auf Nachhaltigkeit, Boffi auf minimalistisches Design mit perfekt umgesetzten Details und SieMatic aus Deutschland zeigen abermals, dass sie mit Mitbewerbern wie Poggenpohl durchaus mithalten können. Doch insbesondere The Cut – eine uns bislang unbekannte italienische Küchenmarke – beeindruckt uns nicht nur mit makelloser Verarbeitung und geschmackvollem Design, sondern auch durch eine Spektakuläre Arbeitsplatte mit Bruchkante, die aus einem Stück Stein gefertigt wurde.
Tortona Design District
Während die Gravitas der Palazzi Brera eine Eleganz verleihen, die perfekt mit den Auftritten der Luxusmarken harmonieren, sagt der industrielle, rohe Look des Tortona Design Districts ganz deutlich: „Hier werden die Innovationen von morgen erschaffen. Was es hier zu entdecken gibt, ist die Zukunft.“ In Fabrikhallen und Lofts entdecken wir Installationen, die Sound visualisieren, spektakuläre Luxusautomobile und vieles mehr. Besondere Aufmerksamkeit erregt FIAT. Der italienische Autohersteller hat sich zu einer spannenden Lifestyle-Marke entwickelt und präsentiert den neuen Topolino im Rahmen einer farbenfrohen Ausstellung, die die lange Firmentradition nachzeichnet und dabei dennoch zu keinem Zeitpunkt rückwärtsgewandt erscheint. Wer über Zukunft sprechen will, muss auch über Samsung sprechen. Das macht der Auftritt der südkoreanischen Tech-Marke auf der Milan Design Week unmissverständlich klar. Im Samsung Design Studio werden Leuchten und Spiegel gezeigt, die KI-Agenten nahtlos in den Alltag einbinden, neue Displaykonzepte machen neugierig auf die Smartphones von morgen und auch die Möglichkeiten, die „unsichtbare“ Technologie-Aspekte wie Sound und Vernetzung bereithalten, werden effektvoll inszeniert.

next125 im Superstudio Più
next125 hatten uns ja schon eine Weile auf die Folter gespannt. Und obwohl wir auf der EuroCucina bereits einen Blick auf die neue Konzeptküche erhaschen konnten, stehen wir an unserem zweiten Tag in Mailand mit offenen Mündern vor der Inszenierung im Superstudio Più im Tortona Design District. Was eine elaborierte Präsentation alles ausmacht, wird im Vergleich der beiden next125-Auftritte ganz deutlich. Auf der EuroCucina waren wir beeindruckt von der technischen Umsetzung, hier dagegen betrachten wir nicht das Konzept von außen, sondern werden in die Vision hineingezogen, die dahinter steht.
Wie bereits THE FIREPLACE ist auch die Konzeptküche UN:FOLD das Ergebnis einer Kollaboration. Der indische Architekt und Bildhauer Ankon Mitra, der in seiner Arbeit bereits seit langem Origami und Architektur zu „Oritecture“ verbindet, hat gemeinsam mit dem deutschen Küchenhersteller ein spektakuläres Erlebnis geschaffen: Im Zentrum steht die eigentliche Küche. Drei monolithische Elemente, die die drei Kochzonen „Kochen“, „Aufbewahren“ und „Spülen“ repräsentieren, zeichnen sich als Silhouetten im Dunklen ab. Umgeben sind sie von einer spiralförmigen Skulptur aus gefaltetem Aluminium, geschaffen von Ankon Mitra. Einer nach dem anderen werden die Blöcke im Verlauf der Präsentation erleuchtet. Eine Fuge nach der anderen – von der Zusammenarbeit mit Häfele hatten wir ja bereits in unserem Beitrag zur EuroCucina 2026 berichtet. Durch die Lichtinszenierung werden nicht nur die Strukturen der Holz- und Steinoberflächen effektvoll enthüllt, sondern die Reflexionen in der gefalteten Aluminiumoberfläche erzeugen eine ganz eigentümliche Atmosphäre, die uns gänzlich in ihren Bann zieht. Ein echtes Lehrstück über Materialität, Licht, Struktur und die ungeheure Kraft, die in ihrem Zusammenspiel steckt.
Fazit
Mailand ist jedes Jahr eine Reise wert. Das war uns natürlich schon bewusst, bevor wir die Reise antraten. Doch wir müssen zugeben, dass wir uns nicht im Klaren darüber waren, was wir alles verpassen, wenn wir die Design Districts nicht besuchen. Der Raum für große Inszenierungen, der hier zur Verfügung steht und glücklicherweise von den Marken auch umfänglich genutzt wird, sucht seinesgleichen und so treten wir dieses Jahr ganz besonders inspiriert den Heimweg an, angesteckt vom Ideenreichtum, den wir auf der Milan Design Week erleben durften.












