Unsere Highlights von Salone del Mobile & EuroCucina 2026
Auch in diesem Jahr haben wir wieder einen Trip nach Mailand unternommen, um Ausschau nach den neuesten Trends und interessantesten Innovationen zu halten. Im Interior Design und ganz besonders im Küchenbereich. Dafür haben wir diesmal zwei Tage eingeplant, um nicht nur die Internationale Möbelmesse, sondern auch die Design Districts der Milan Design Week 2026 zu erkunden. So viel sei gesagt: Die klare Tendenz zur Inszenierung als Erlebnis anstelle der klassischen Produktpräsentation hat sich förmlich aufgedrängt. Also gab es allerhand zu entdecken. Darum haben wir uns entschlossen, unseren Bericht in zwei Teilen zu veröffentlichen. Wir beginnen heute mit dem Salone del Mobile Milano, der internationalen Mailänder Möbelmesse, der wichtigsten Adresse für die Einrichtungstrends von morgen.

Zentrale Trends auf dem Salone del Mobile Milano
Es ist schier unmöglich, allem, was sich in den nicht enden wollenden Messehallen des Salone del Mobile abspielt, die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Und obwohl wir direkt am Anfang beschlossen haben, uns auf Küchen und damit die EuroCucina als Unterbereich der Messe zu konzentrieren, konnten wir – teilweise auch dem großen Andrang geschuldet – nicht jeden einzelnen Messestand unter die Lupe nehmen. Dennoch gibt es Trends, die uns über verschiedenste Aussteller hinweg immer wieder begegnet sind. Und immer, wenn es solche auffälligen Gemeinsamkeiten gibt, lohnt es sich hinzuschauen.

Trendfarben & -materialien
Die weiße Küche war in den letzten Jahren bereits wenig repräsentiert. Nun ist sie wirklich die absolute Ausnahme geworden. Stattdessen sehen wir Taupe als dominante Farbe neben Braun, warmen Naturtönen und gelegentlich in Kombination mit gedeckten Farben. Matt beschichtete Fronten dominieren, weichen aber hier und da mattem, umseitig lackiertem Glas. Außerdem ist Metall sehr viel präsenter als noch im Vorjahr: Wir sehen immer mehr Edelstahl-Arbeitsplatten, teilweise sogar Fronten, sowie Metalloberflächen als Materialakzente. Kontrastiert wird der Trend zu matten, einfarbigen Oberflächen von auffällig strukturierten Natursteinplatten. Starke Kontraste und klar erkennbare Adern bestimmen den Look der verwendeten Steinplatten.

Formen & Gestaltung
Auch in der Küchengestaltung sehen wir, wie sich Trends, die sich bereits in den letzten Jahren anbahnten, nun endgültig in der Breite durchsetzen. Eckig ist out. Beinahe jede Küche, die wir sehen, setzt auf abgerundete Ecken und Kanten. Das reicht von dezenten 1 cm-Radien, die den Kanten ihre Schärfe nehmen bis hin zu auffälligen Rundungen und organischen Formen, die wir in besonders starker Ausprägung bei Tischplatten bemerken. Insgesamt stellen wir fest, dass harte Kontraste und rigide Formen allerorts durch weiche Übergänge abgelöst werden. Ebenfalls allgegenwärtig sind runde Stangengriffe. Ein diametraler Gegenentwurf zur noch immer recht beliebten grifflosen Küche.

Küchenkonzepte & -elemente
Der konzeptionelle Metatrend der letzten Jahre setzt sich unaufhaltsam fort: Küche und Wohnraum verschmelzen zunehmend. Immer mehr Hersteller denken über den reinen Kochbereich hinaus, verstehen die Küche als Lebensmittelpunkt und erweitern ihr Angebot um Regale und Sideboards und andere Wohnmöbel. Auf der strukturellen Ebene bemerken wir, dass die Theke als Brücke vom Koch- zum Essbereich kaum noch eine Rolle spielt. Stattdessen sehen wir uns einer Fülle verschiedener Anbautisch-Konzepte gegenüber, die sich nicht ignorieren lässt. In der Vergangenheit hatte kaum ein Küchenhersteller außer next125 solche Tische im Angebot. Nun begegnen sie uns überall in verschiedensten Varianten, jedoch so gut wie immer mit Rundungen. Ebenfalls sehr präsent sind Rahmenfronten. Nicht jene im Landhaus-Stil, sondern die moderne Version mit schmalem Rahmen, die wir bis vor kurzer Zeit nur von Premium-Herstellern kannten. Solche Rahmenfronten sind auf dem Salone del Mobile mittlerweile bei jedem Küchenhersteller zu finden.
Hersteller-Highlights
Natürlich gilt unsere Aufmerksamkeit nicht nur der großen Trendkurve, sondern auch einzelnen Akteuren und deren Präsentation. Gerade bei Herstellern, die wir schon länger verfolgen, ist der Blick geschärft für subtile Neuerungen und bewusste Abweichungen vom Metatrend.

next125
Keine Frage: next125 war von Anfang an einer der Hersteller, auf deren Auftritt wir besonders gespannt waren. Immerhin erfreut sich next125 bei unseren Kund:innen im Küchenbereich größter Beliebtheit und auch wir schätzen das Konzept des Designküchenherstellers für seine Flexibilität und überzeugende Designsprache. Zudem hatte man uns sehr neugierig gemacht, für die Milan Design Week hatte next125 die Enthüllung einer neuen Konzeptküche angekündigt. Und wir werden hier nicht enttäuscht. Zu dieser Küche wollen wir hier noch gar nicht so viele Worte verlieren. Über deren eindrucksvolle Inszenierung in den Design Districts berichten wir in Teil 2. So viel sei jedoch gesagt: Für die Indirekte Beleuchtung, die hier eine wichtige Rolle spielt, hat next125 auf Häfele als Partner gesetzt, mit denen wir schon seit Jahren zusammenarbeiten, weil wir von der Produktqualität und den Möglichkeiten überzeugt sind. Aus unserer Sicht also eine doppelt gute Entscheidung von next125, sowohl allgemein bezüglich der Qualität als auch im Speziellen hinsichtlich der Kompatibilität mit unseren bisherigen Beleuchtungslösungen.
Natürlich entdecken wir auch bei next125 einige Trends wieder: Brauntöne und gebeiztes Holz dominieren die Frontdesigns, ein neuer tropfenförmiger Anbautisch sticht ins Auge und wir sehen beleuchtete Wohnregale. Dazu kommen Keramikoberflächen, extra breite Hochschränke, integrierte Durchgangstüren und Weiterentwicklungen bereits bekannter Details: Für die Organisation innerhalb der Schubkästen setzt next125 nun auf Kork anstelle von Eichenfurnier, die Rasterung wurde überarbeitet, um eine harmonische Integration von Gerätefronten im Fugenbild zu ermöglichen und halbhohe Pocket-Doors erlauben es, zusätzliche Arbeitsflächen in Hochschränken zu verbergen und die Unter- sowie Oberschränke unabhängig davon zu öffnen.

Montbel
Alle Messebesucher:innen, die mit Montbel vertraut sind, werden uns beipflichten: Mit dem neuen Katalog ist der Traditionsfirma für Sitzmöbel der große Wurf gelungen. Montbel hat sich neu erfunden. So viel frischer Wind schlägt uns hier entgegen, dass man fast meinen könnte, das sei eine ganz neue Marke. Hier und da erkennen wir natürlich altbekannte Modelle wie die beliebte Polsterstuhlfamilie Danielle, jedoch mit aufregenden neuen Texturen, Farben und Steppungen. Doch wir sehen auch ganz neue Modelle wie den Stuhl Maja mit seiner runden Sitzfläche und der Rückenlehne in Halbkreisform oder die modularen Sitzgelegenheiten der Flow Serie. Alle verbindet jedoch eine ganz den aktuellen Trends entsprechend von Naturtönen und gedeckten Farben dominierte Farbpalette. Wo früher bei Montbel die bunten Uni-Farben den Ton angaben, liegt der Fokus nun auf der Beschaffenheit der Stoffe. Leder trifft auf grobe Texturen und meliertes Gewebe, das uns in seiner ostentativen Struktur wieder an die Natursteinplatten im Küchenbereich denken lässt.

UNOX Casa
Eine äußerst spannende Neuentdeckung für uns ist UNOX Casa. Der Küchengerätehersteller verfolgt ein Prinzip, das wir schon vom BORA X BO kennen: Professionelle Küchentechnik nach Hause zu bringen. Anders als BORA, die die Technologie in ihre minimalistische Designsprache übersetzen, inszeniert UNOX Casa seinen Superoven optisch als Profigerät Edelstahloberfläche, pragmatischem Layout und auffälligen Lüftungsschlitzen. Wie bei BORA ermöglichen intuitive Bedienung über ein Touchpanel sowie der Zugriff auf unzählige Rezepte und automatisierte Garprogramme Hobbyköch:innen einen niedrigschwelligen Zugang zum Profi-Kochniveau. UNOX Casa verspricht sogar einen Lerneffekt beim Kochen mit dem Ofen, der die Geheimnisse der Sterneköche offenbart. Ein weiterer Unterschied zum X BO besteht im Format: Der Superoven Model 1 ist bei Standard-Gerätebreite über 2m hoch besteht aus zwei übereinander angeordneten Garräumen, einer darunter befindlichen Zubehörschublade, in der unter anderem Backbleche hochkant aufbewahrt werden können und einer integrierten Kondensationsabzugshaube mit Aktivkohlefiltern oberhalb der Garräume, die geruchsfreies Kochen ermöglicht. Model 1S ist eine kompakte Version, etwa halb so hoch, mit nur einem Garraum und einer entsprechend flacheren Zubehörschublade. Mit beiden Versionen lässt sich jede erdenkliche Garmethode von Dämpfen bis Räuchern realisieren.

Fazit
Natürlich ist unser Bericht keinesfalls erschöpfend und von Quooker über Miele bis Consentino und Neolith waren allerhand Hersteller vertreten, mit denen wir bereits gearbeitet haben und deren Produktqualität uns immer wieder überzeugt. Und selbstredend haben auch diese Hersteller sich auf die eine oder andere Weise an die neuen Entwicklungen in der Branche angepasst. Wir denken aber, dass unsere Beispiele einen guten Überblick über die wichtigsten Entwicklungen und Innovationen liefern und sind gespannt darauf, welche davon sich über das kommende Jahr verfestigen und welche abgelöst werden. Und nicht vergessen: Das war erst der erste Teil. Unser zweiter Tag in Mailand war nicht weniger aufschlussreich und bietet wirklich etwas für’s Auge.





