Präsentation ist alles: Vitrinen mit eleganten Akzenten in Schwarzstahl

Möbelmesse Mailand: Ein Blick in die Zukunft

Frühjahr ist Messe-Zeit. Jetzt gilt es ein wenig Zeit im Projekt-Alltag frei zu machen, um Trends zu entdecken und neue Eindrücke zu sammeln. Da die Zeit zwischen der Planung und Durchführung von Innenausbau-Projekten stets knapp bemessen ist, heißt das für uns Folgendes: Nur die vielversprechendsten Messen kommen für einen Besuch infrage. Deshalb fiel unsere Wahl im März auf die Holz-Handwerk 2018 in Nürnberg. Dort konnten wir bereits einiges an Inspiration mitnehmen. Für unser absolutes Highlight aber sind wir vergangenes Wochenende nach Mailand geflogen. Die dortige Möbelmesse Salone del Mobile ist aus zwei Gründen unschlagbar attraktiv:

  1. Die Salone del Mobile Milano ist die größte Möbelmesse der Welt.
  2. Dank der internationalen, vornehmlich italienischen Aussteller können hier Trends ausgekundschaftet werden, die es vermutlich erst in einigen Jahren nach Deutschland schaffen werden.

Weil jedoch die Mailänder Möbelmesse derart umfangreich ist, würde ein allgemeiner Messebericht definitiv den Rahmen sprengen. Deshalb haben wir uns entschlossen, ihn in drei Teile zu gliedern. Der heutige Bericht ist den Innenarchitektur– und Möbeltrends im Wohnbereich gewidmet. In den nächsten Wochen werden weitere Artikel zu Küchen- und Badezimmertrends folgen. Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen.

Italienisches Design im Wohnbereich

Was Möbeldesign anbelangt, so ist Italien definitiv als eine der wichtigsten Referenzen zu würdigen. Viele Trends, die dort ihren Anfang nehmen, setzen sich auch wenig später bei uns in Deutschland durch. Man muss jedoch auch beachten, dass einige grundlegende Unterschiede in allgemeinen Design-Fragen bestehen. So sind beispielsweise seit Jahren viele italienische Möbelkreationen und Innenarchitektur-Konzepte etwas zu aufdringlich für den Geschmack der meisten Menschen hierzulande. Ferner ist zu bemerken, dass in Italien Wohnräume allgemein bevorzugt in dunkleren Farben und in stärkerer Anlehnung an klassische Design-Epochen gestaltet werden. Die helle Kombination aus weißen Oberflächen mit Eiche, die tatsächlich ein großer Teil unserer Kunden favorisiert, war auf der Messe in Mailand praktisch nicht anzutreffen. Eiche wird zwar durchaus verwendet, aber ebenso Hölzer wie Esche und Makassar. Diese werden meist mit dunklen Lackfarben kombiniert. Akzente werden mittels Beleuchtung gesetzt.

Ankleiden

Raumnutzung optimieren, höchste Designansprüche befriedigen und eine gute Figur im Alltag machen. Das alles sollen Ankleiden leisten. Und obwohl es sich hier um etwas scheinbar Einfaches handelt, sind es doch die Details, die die Qualität einer Ankleide ausmachen und für eine beeindruckende Vielfalt an Exponaten auf der Möbelmesse gesorgt haben. Man bemerkt hier ganz deutlich eine zunehmende Beeinflussung durch den Ladenbau im Stil von Hugo Boss, Escada und vergleichbaren Edelmarken.

Systeme zum modularen Aufbau von Schrankwänden werden aus dem Shopdesign entlehnt, was durchaus Sinn ergibt. Immerhin ist effiziente Aufbewahrung bei ansprechender Präsentation in diesem Bereich des Innenausbaus schon seit jeher das wichtigste Ziel. Die Lichtplanung und zahlreiche Ausstattungsoptionen erinnern ebenfalls an luxuriöse Modegeschäfte, andere sind in ähnlicher Ausführung schon lange in deutschen Ankleiden zu Hause, bestechen aber durch eine noch nie dagewesene Qualität der Umsetzung:

  • Integrierte Uhrenwender
  • Design-Kleiderstangen
  • Schuh-Aufbewahrungssysteme
  • Innovative Ecklösungen für maximale Raumnutzung
  • Flexible Einteilungssysteme für Schubkästen
  • Schubkasten-Elemente mit Glasdeckel und indirekter Beleuchtung
  • Integrierte Schminktische mit Spiegel und Beleuchtung

Außerdem ein offensichtlicher Trend im Ankleidezimmer: Leder. Damit werden Schrankfronten bezogen und Schubkästen ausgekleidet.

Wohnwände & Mediamöbel

Zeigen, was man hat: Wohnwände und Mediamöbel auf der Möbelmesse in Mailand tendieren noch deutlich stärker als in den  vergangenen Jahren zur Präsentation. Wo vorher noch Stauraum gefragt war, befinden sich nun großzügige Präsentationsregale. Minimalistische, klare Linien bestimmen die Möbel, die dazu bestimmt sind, der Mittelpunkt des Wohnzimmers zu sein während indirekte Beleuchtung Dekoration in Szene setzt und eine wohnliche Atmosphäre erzeugt. Die Entwicklung der Wohnwand geht Hand in Hand mit der technologischen. Der Einfluss der Gestaltungsprinzipien aus dem Elektronik-Sektor ist spürbar. Minimalismus und klares Design herrschen hier schon seit Jahren vor. Möglich wird die Umsetzung dieser Design-Analogie nun, weil Wohnwände und Mediamöbel immer den Erfordernissen der Technologie und unseres Umgangs mit ihr gehorchen müssen. Und diese haben sich schlichtweg geändert: Video on Demand-Portale und Streamingdienste haben physikalische Geräte vielerorts bereits abgelöst und Datenträger unnötig gemacht. Die Sound-Puristen unter den Musikfans werden vielleicht noch eine Stereoanlage mit Schallplattenspieler haben. Aber wer versteckt schon seine Plattensammlung in einem Schrank? Alles, was die meisten Anderen heute benötigen, sind Smart-TV und Soundbar und möglicherweise eine Spielekonsole. Doch selbst da geht der Trend zu Datenträgern im SD-Karten-Format und Downloads, sodass sich in den kommenden Jahren wohl auch die noch rudimentär vorhandenen Unterschränke der Wohnwände und Mediamöbel verabschieden dürften. Der technischen Optimierung dienen bei fast allen Wohnwand-Exponaten auf der Messe Akustikpaneele. Diese Wandverkleidungen bilden die Rückwand der Mediamöbel und optimieren nicht nur den Sound. Sie machen auch das angesagte schlichte Design erst möglich, indem sie alle Kabel verbergen. Durchaus denkbar, dass bald alle Geräte, die die Wohnwand abgesehen vom Smart-TV noch aufnehmen muss, hinter der Wandverkleidung verborgen werden können.

Was ist das nun? Ein Regal oder eine Tür?

Das absolute Highlight in Sachen Handwerkskunst im Wohnbereich war ein Regal. Oder doch eine Tür? Genau genommen handelte es sich um eine Kombination aus beidem. Das raumhohe Regal nämlich war als Bestandteil einer größeren Schrankwand konzipiert. Ein spezielle, elektronisch motorisierter Beschlag erlaubte das voll beladene Regal auf Knopfdruck automatisch um die eigene Achse zu drehen. So ist es nicht nur möglich, bequem an beide Seiten des Möbels heranzukommen. Das Regal fungiert gleichzeitig auch als Drehtür: In neunzig-Grad-Stellung gibt es einen geräumigen Durchgang frei. Dieses Konzept verändert die Art und Weise, wie Regale zur Strukturierung eines Raumes verwendet werden, vollständig. Die Einheit von Tür und Regal ist definitiv ein aufregender und vielversprechender Ansatz für den modernen Innenausbau und durch die Motorisierung absolut zeitgemäß und alltagstauglich. An so etwas würden wir uns nur zu gerne auch einmal versuchen.

Vitrinen

Wenn Wohnwände sich auf einmal der Präsentation verschreiben, müssen Vitrinen eben noch eine Schippe drauf legen. Immerhin handelt es sich bei denen ja um die ursprünglichen Präsentationsmöbel. Und genau das lässt sich auf der Mailänder Möbelmesse auch beobachten: Einerseits versuchen die Vitrinenbauer mittels Spezialbeleuchtung die ausgestellten Stücke optimal zu inszenieren. Auch hier fühlt man sich wieder an die Lichtplanung im Ladenbau erinnert, die ganz gezielt psychologische Effekte ansteuert und die attraktivsten Eigenschaften der Exponate hervorzukehren sucht. Andererseits wollen die Vitrinen, so scheint es, ein Stück weit selbst zum Präsentationsobjekt werden. Statt schlicht hinter ihren Inhalt zurück zu treten warten viele Modelle mit filigranen Metalleinfassungen und edlen Oberflächendetails wie eloxiertem Aluminium oder Schwarzstahl auf. Eine durchaus spannende Entwicklung, die sich da abzeichnet.

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